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Arbeitskreis "Friedhof für ausländische Zwangsarbeiter" (beendet)

Noch vor Beginn des II. Weltkriegs wurde 1939 auf dem heutigen Gewerbegebiet „Eichwald“ mit dem Bau eines Militärflugplatzes begonnen. Dazu gehörte auch die Einrichtung eines Lagers des Reichsarbeitsdienstes in Großsachsenheim.
1943 baute man das Lager zum Krankenlager um. In dieser Zeit waren   fast alle wehrfähigen Männer im Kriegseinsatz, sodass zusätzlich zu den Kriegsgefangenen ausländische zivile Arbeitskräfte für das Land zwangsrekrutiert wurden. In Sachsenheim handelte es sich meist um Ukrainer und Weißrussen, damals Bürger der Sowjetunion, sowie einige Polen.

Viele der Zwangsarbeiter trugen schon Keime der Lungentuberkulose in sich, sodass bei 80% der Verstorbenen als Todesursache Tbc vermerkt ist. Da häufig mehr als ein Lagerinsasse täglich verstarb, musste mit Beginn der Belegung des Lagers im Mai 1943 ein Friedhof errichtet werden. Die Toten wurden von Beginn an in Einzel- oder Mehrfachgräbern beerdigt. Die letzte Beerdigung aus dem Krankenlager selbst fand am 5.April 1945 statt.

2017 veröffentlichte Elisabeth Wanjura nach jahrelangen Recherchen eine ausführliche Beschreibung des Gesamtkomplexes in einem Buch. Eine überarbeitete Fassung folgte 2020. Bei beiden Büchern fehlte jedoch die Zusammenstellung der Namen der Opfer. Dies wurde dann in mühevoller Kleinarbeit durch Herbert Ade-Thurow geleistet, der damit die eigentliche Zielsetzung des Projekts vollendete.

Heute weist auf diesen sog. “Russenfriedhof“ an der Landstraße zwischen Großsachsenheim und Unterriexingen nur ein Holzschild mit der Inschrift „Zum Friedhof“ hin und ist über einen in schlechtem Zustand befindlichen Feldweg zu erreichen.

Dort findet man 664 in die Erde eingelassene kleine Grabsteine, mit Nummern versehen, von denen viele wegen der Verwitterung oder  Überwucherung  kaum noch lesbar oder bereits zerstört sind.

Am Eingang steht ein „einfaches“ lateinisches Gedenkkreuz aus Beton, obwohl alle Beerdigten, bis auf 18 katholische Polen, orthodoxen  Glaubens waren. Zu diesem gehört die Verehrung des Kreuzes mit einem unteren Querbalken als Symbol. Daneben befindet sich, in Stein gemeißelt, eine erläuternde Inschrift.

1954 ließ die Stadtverwaltung Nummerngräber angelegen und renovierte die Anlage 1965, nachdem der Landkreis ein geändertes Gräbergesetz erlassen hatte. Seitdem wurde an der weitgehend unbekannten Gedenkstätte nichts mehr verändert.

Dabei stellt unter allen Kriegsgräberfriedhöfen in Baden-Württemberg   der Friedhof für ausländische Zwangsarbeiter in Großsachsenheim eine Ausnahme dar. Hier sind ausschließlich zivile Zwangsarbeiter beerdigt.

Zur Verwirklichung der 2018 genehmigten und 2019 eingeweihten Gedenkstätte hat Karl Heidinger † entscheidend beigetragen. Auf 13 großen Metalltafeln sind die Lebensdaten der im Krankenlager Verstorbenen aufgelistet.

 

 Tafel 2

 

Damit wurden aus den Nummerngräbern auch Menschengräber und die Gedenkstätte aufgewertet.

Zum einen ist es dadurch möglich, den Nachkommen eine angemessene Gedenkstätte für ihre verstorbenen  Angehörigen bereit zu halten; zum anderen werden diese zivilen Opfer des NS-Regimes in Sachsenheim  endlich namentlich gewürdigt.

Mit Namen versehen dient außerdem diese Gedenkstätte dazu, das Geschichtsbewusstsein für Zwangsarbeit und den II. Weltkrieg in der Bevölkerung wachzuhalten. Zur Erinnerungskultur gehört auch, dass man Schülern vor Ort die Möglichkeit geben kann, ihnen unsere noch nicht so weit entfernte Geschichte vor Augen führen zu können.

Mitarbeiter waren: Elisabeth Wanjura, Karl Heidinger†, Jutta Glöckle, Hermann Albrecht, Roman Kolodiy, Herbert Ade-Thurow

Impressionen

Hier sehen sie Impressionen aus unserem Vereinsleben

Unser Vorstand

  • Jutta Glöckle (1. Vorsitzende)

    Jutta Glöckle (1. Vorsitzende)

  • Heidemarie von Vacano (2. Vorsitzende)

    Heidemarie von Vacano (2. Vorsitzende)

  • Dr. Martine Strobel (Schriftleitung)

    Dr. Martine Strobel (Schriftleitung)

  • Walter Christ (Schriftleitung)

    Walter Christ (Schriftleitung)

  • Sigrid Seyfang (Kassenführung)

    Sigrid Seyfang (Kassenführung)

  • Herbert Ade-Thurow (Layout)

    Herbert Ade-Thurow (Layout)

  • Bernd Roth (Verwaltung)

    Bernd Roth (Verwaltung)

Adresse

Verein für Heimatgeschichte Sachsenheim e.V.
Gallenmichel 26
74343 Sachsenheim

info@vhg-sachsenheim.de  


       

Das Logo des VHG-Sachsenheim ist der „Betende Ritter", ein Steinbild des württemberg-ischen Landhofmeisters Hermann von Sachsenheim (1501) in der Stiftskirche in Stuttgart.

 

 
 

 

 

Über uns

 Die Aufgabe des Vereins ist


die Pflege der Heimatgeschichte des Raumes Sachsenheim mit den Ortsteilen Großsachsenheim, Kleinsachsenheim, Hohenhaslach, Spielberg, Ochsenbach, Häfnerhaslach in Baden-Württemberg, Kreis Ludwigsburg.


Der Verein erfüllt diese Aufgabe insbesondere durch

a) Erforschung der örtlichen Geschichte in allen Zeiten
b) Veröffentlichung der Forschungsergebnisse durch Vorträge, Ausstellungen und Publikationen
c) Förderung des Heimatmuseums
d) Mithilfe bei der Bewahrung historischer Zeugnisse


Der Verein erfüllt seine Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Sachsenheim.

Warum unsere Mitgliederzahl ständig steigt
    - Bei uns macht Geschichte Spaß
    - In unseren Monatsrunden (siehe Termine) werden interessante Themen behandelt
    - Unsere Arbeitskreise betreiben spannende Geschichtsforschung
    - mehrfach pro Jahr erscheint unsere, für Mitglieder kostenlose Schriftenreihe "die mörin", mit Themen zur Heimatgeschichte
    - Wir arbeiten aktiv im Stadtmuseum mit
    - Unsere Ausflüge und Exkursionen sind immer ein Erlebnis
    - Auch die Geselligkeit kommt bei uns nicht zu kurz


Mitgliedsbeitrag

     - jährlich für Einzelpersonen: 25 € , für Ehepaare insgesamt 30 €